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Flugtage in der Schweiz

In der Schweiz finden jedes Jahr mehrere aviatische Anlässe statt, meist zu Jubiläen von Aeroclub-Sektionen oder zu runden Geburtstagen von Flugplätzen. Auf ein paar Flugfeldern finden hingegen mehr oder weniger regelmässig Flugtage oder auch grössere Flugmeetings statt. Diese werden untenstehend näher beschrieben, wobei der Vollständigkeit halber auch Flugplätze vorgestellt werden, die nicht mehr aktiv sind respektive in Zukunft geschlossen werden.

Fliegerschiessen Axalp (BE)

Der wohl spektakulärste Anlass der Fliegerei findet jährlich in den Schweizer Bergen statt. Es handelt sich um das Fliegerschiessen auf der Axalp oberhalb von Brienz im Kanton Bern. Offiziell eröffnet wurde der Schiessplatz am 7. Oktober 1942. Die Axalp-Vorführungen entwickelten sich im Laufe der Zeit von reinen Schiessdemonstrationen mit geladenen Gästen zu einer abwechslungsreichen und spektakulären Airshow mitten in den Bergen. Weil der Eintritt frei und der Zugang jedem berggängigen Zuschauer möglich ist, besuchen mittlerweile tausende von Zuschauer jedes Jahr dieses Spektakel der Lüfte.Normalerweise findet das Fliegerschiessen immer zu Beginn des Monats Oktober statt. Die Flugvorführungen finden am Nachmittag statt. Am Vormittag ist normaler Flug- und Schiessbetrieb im Rahmen des Trainings wahrscheinlich. Weil die Veranstaltung im Hochgebirge stattfindet, kann diese jederzeit aus meteorologischen Gründen abgesagt werden. Allerdings kann auch Nebel im Tal den Start der Maschinen in Meiringen verhindern.

Bex (VD)

Selbst der Fliegerei nahestehende Kreise wissen kaum, dass in der Rhôneebene bei Bex (VD) seit 1919 ein Flugfeld existiert. Wenn nicht gerade ein Flugzeug startet oder landet, wird man eher zufällig darauf aufmerksam. Denn Les Placettes, wie der Flugplatz heisst, weist nur eine 750 m lange Graspiste auf. Deren Tragfähigkeit und Ausmasse reichen nur für Leichtflugzeuge. Flugzeuge mit Kurzstart- und -landefähigkeiten und ältere Baumuster, die sich damals mit kleinen Flugplätzen abfinden mussten.
Es ist nahezu unglaublich was die Groupe de vol à moteur du Chablais als Veranstalter der Flugtage auf die Beine stellte und in die Luft brachte. Da kommt ein kleiner Klub mit einem kleinen Flugfeld und einer kurzen Graspiste und verwirklicht Flugmeetings, die in Europa ihresgleichen suchen.
Der erste Flugtag wurde 1974 durchgeführt. Die grössten Meetings fanden 1983, 1985 und 1987 statt, wobei der Anlass von einem soliden Flugtag zu einer veritablen internationalen Airshow mutierte. Danach wurde es wieder ruhiger, und nur 1998 und 2007 fanden noch einmal zwei grosse Flugmeetings statt. Aufgrund der malerischen Landschaft und der optimalen Ausrichtung des Zuschauergeländes hofft man als Fotograf natürlich, dass in Bex noch so mancher aviatischer Anlass stattfinden wird.

Geschichte Flugtage Bex

Bleienbach (BE)

Der Flugplatz Langenthal-Bleienbach liegt rund fünf Kilometer südwestlich von Langenthal in der Nähe eines kleinen Wäldchens zwischen den beiden Dörfern Bleienbach und Thörigen. Dort findet die Flügerchilbi der Segelfluggruppe Oberaargau (SGO) jeweils am ersten Sonntag im September statt. Ein Anlass aus Tradition. Alt und Jung, Familien und Flugzeugfans treffen sich an diesem Tag auf dem Flugplatz Bleienbach und wohnen den Flugvorführungen bei. Nach grossen internationalen Airshows 1989 und 1994 hat man sich auf eine jährlich stattfindende Flügerchilbi beschränkt. Für Fotografen ist dieser Anlass aber sehr empfehlenswert, weil man eine ungewohnte Nähe zu den Flugzeugen vorfindet und auch ohne Störung durch die sogenannte "Spotterwolke" seine Fotos komponieren kann.

Dittingen (BL)

Alle zwei Jahre findet im Baselbiet im 700-Seelendörfchen Dittingen am Südhang der Blauenkette im Laufental ein Flugtag statt, und zwar immer zu ungeraden Jahreszahlen. Die Airshow findet auf einer Anhöhe statt, so dass Besucher, die das Gelände nicht kennen, sehr schnell in Panik geraten können, wenn bei einer Kunstflugdemonstration der Pilot samt Flugzeug aus dem Blickfeld nach unten verschwindet. Natürlich ist nichts passiert, der Flugplatz ist aber von Tälern umgeben, die von den Piloten sehr gerne als Sturzräume verwendet werden.
1958 fand in Dittingen der erste Flugtag statt. Höhepunkte waren 1965 der erste Besuch der Patrouille Suisse, 1973 der erste Flug des Schulgleiters Zögling, 1995 das erste Mal die Patrouille Suisse auf Tiger F-5, 1997 der erste Besuch der F/A-18 Hornet, 2003 Christian Moullec mit seinen Gänsen und schliesslich 2009 der Besuch des Rocketman. 2013 konnte Dittingen bereits seinen 30. Flugtag ausrichten! Wohl ein einsamer Rekord in der Geschichte der Flugtage der Schweiz.

Geschichte Flugtage Dittingen

Dübendorf (ZH)

Der Flugplatz Dübendorf gilt als Wiege der Schweizer Luftfahrt. Dazu trugen insbesondere die 1922, 1927, 1932 und 1937 vom Aero-Club der Schweiz durchgeführten internationalen Flugmeetings bei, anlässlich derer die besten Piloten in sportlichem Wettbewerb das jeweils neueste Flugmaterial vorführten und so Hunderttausende von Zuschauern, aber auch eine internationale Fachwelt nach Dübendorf lockten.

In Dübendorf landeten sehr viele beschädigte Bomber der Allierten während des Zweiten Weltkriegs. Auch ein deutscher Nachtjäger des Typs Messerschmitt Bf-110 mit dem damals geheimen Radar und spezieller Angriffsbewaffnung landete in Dürbendorf, was im Nachgang zum Kauf von neuen deutschen Messerschmitt Bf-109G Jägern durch die Schweizer Fliegertruppen führte. Durch dieses Geschäft wollte Deutschland verhindern, dass die technischen Erkenntnisse durch die Schweiz an die Allierten weitergegeben werden. Zum Ende des Krieges landete auch noch ein Düsenjet vom Typ Messerschmitt Me-262 in Dübendorf, wobei der Pilot angab, dass er sich verflogen habe.

Nachdem die Passagiermaschinen immer grösser wurden, wurde zwischen Kloten, Rümlang und Oberglatt ein neuer "Interkontinentaler Flughafen Zürich" gebaut, Dübendorf wurde damit zu einem reinen Militärflugplatz. Nur einmal noch gab es ein Flugmeeting der Superlative, dass war 1956, als mehr als 400'000 Zuschauer die Vorführungen von internationalen Kunstflugteams bestaunten und Überschallflüge von einzelnen Jets noch zum festen Bestandteil solcher Darbietungen gehörten. Danach wurde es ruhiger in Dübendorf, wobei fast jedes Jahr die Armeemeisterschaften der Luftwaffe stattfanden, kurz AMEF genannt. Am 16. Dezember 2005 hob der letzte Militärjet in Dübendorf ab. Nur noch Drehflügler, also Hubschrauber landen in Dübendorf, dazu fliegen weiterhin die Junkers Ju-52 der Ju-Air von Dübendorf aus zu ihren Rundflügen. Wohl sind die Tage der Wiege der Schweizer Luftfahrt gezählt, die Erinnerung an ein Stück Zeitgeschichte bleibt aber bestehen.

Geschichte Flugtage Dübendorf

Mollis (GL)

Das im Glarnerland gelegene Mollis führt nun schon seit einigen Jahren regelmässig grössere und kleinere Airshows durch. Seit dem Jahre 2009 hat sich der Name Zigermeet für diese Flugtage eingebürgert. 1996 und 2006 fanden internationale Airshows in Mollis statt, wobei beide Ausgaben nicht vom Wetter verwöhnt wurden. Der ehemalige Reduitflugplatz der Schweizer Luftwaffe wurde im Jahre 2012 durch die Gemeinde Glarus Nord gekauft. Als Fotograf ist Mollis eine echte Herausforderung, fliegen die Flugzeuge doch durch ein Tal, auf beiden Seiten begrenzt durch hohe Felswände. Durch diesen Umstand wird die Belichtung der schnell fliegenden Objekte zu einer echten Herausforderung.

Geschichte Flugtage Mollis

Payerne (VD)

Während auf dem Militärflugplatz Sion meist zivil organisierte Airshows stattfanden, ist das beim grössten Militärflugplatz der Schweiz in Payerne ein wenig anders. Es gab in Payerne oft einen Tag der offenen Tür, an welchem vor allem die dort stationierten Mirages III bewundert werden konnten. Diese Mach 2 schnellen Maschinen wurden mit Startraketen (JATO) vorgeführt und mit dem Raktetenmotor SEPR, mit welchem die Maschinen bis in Höhen vom 20 Kilometern vordrangen. Grosse Flugtage in Payerne waren aber eigentlich die Ausnahme, und in den letzten Jahrzehnten stechen nur drei grosse, militärische Veranstaltungen ins Auge. Da ist die Airshow 1991, und zwar feierte die Eidgenossenschaft da ihr 700-jähriges Bestehen und das Überwachungsgeschwader seinen 50. Geburtstag. Die Airshow war den auch einzigartig, und neben den renommierten Teams aus Europa besuchten auch die Thunderbirds (US Air Force) den Flugplatz in der Broye-Region.
2004 dann feierte die Schweizer Luftwaffe ihr 90-jähriges Bestehen und die Patrouille Suisse ihren 40. Geburtstag. Es wurde eine Airshow der Superlative geboten, wobei der Sound der Jettriebwerke eigentlich nur in der Mittagspause verstummte. Der Abschluss der Airshow mit 5 Aerobaticteams, die zusammen vor dem Publikum defilierten, wir wohl manchem Luftfahrtbegeistertem in bester Erinnerung bleiben.
Im Jahre 2014 gab es wieder einen vergleichbaren Anlass anlässlich der Air14, wobei gleich vier Tage für die Vorführungen zur Verfügung standen, und zwar an zwei Wochenenden Ende August und Anfang September. Von der Grösse und Vielfalt her war die Air14 wohl die beste Airshow in der Schweiz seit Jahrzehnten!

Prangins (VD)

In den letzten Jahren hat sich ein Fly-In in der Westschweiz in der Nähe von Nyon etabliert, und zwar auf dem Grasflugplatz in Prangins (VD). Obwohl als Fly-In angepriesen, finden immer auch ein paar wenige Displays von schönen alten Maschinen statt. Auch in Prangins geniesst man als Fotograf viele Freiheiten und kann die Flugzeuge sehr nah erleben.

Sion (VS)

In den 1980er-Jahren war Sion im Wallis ein Fixpunkt in den Agenden der Luftfahrtenthusiasten Europas. In den Jahren 1982, 1986, 1989 und 1997 fanden vier Anlässe der Superlative statt, und zwar abwechselnd mit dem nicht weit weg liegenden Bex im Kanton Waadt. Für mich bleiben all diese Veranstaltungen unvergesslich. 2011 nun wurde die Tradition der grossen Flugtage im Wallis wiederbelebt mit Unterstützung des Sponsors Breitling und die Veranstalter planen bereits eine nächste Airshow im Jahre 2017.

St. Stephan (BE)

In St. Stephan ist der Papyrus-Hunter stationiert, der wohl schönste Hunter der Schweiz. Auf dem Flugplatz im Berner Oberland findet fast jährlich das Hunterfest statt. Wie der Name schon sagt, dreht sich dabei alles um den Hawker Hunter, welcher 1994 bei der Schweizer Luftwaffe ausgemustert wurde, der aber noch in beträchtlicher Anzahl zivil registriert in der Schweiz weiterfliegt. Im Jahre 2008 fand eine grössere Airshow in St. Stephan statt, aus Anlass der 50. Geburtstags des Hawker Hunter. Mit dabei waren damals auch der Dassault Rafale und der Saab Gripen. St. Stephan lohnt sich für Fotografen, welche auf Jetsound nicht verzichten können, den im Berner Oberland wird dieser regelmässig geboten. Neben den Huntern fliegen in St. Stephan sehr oft auch die Vampire Doppelsitzer.

Der Flugplatz St. Stephan war die Homebase der Fliegerstaffel 15 der Schweizer Luftwaffe. Von 1945 bis 1994 existierte die Fliegerstaffel 15, die ab 1925 bereits als Fliegerkompanie 15 aktiv war. Von 1955 bis 1979 flog die Staffel mit De Havilland Venom DH-112 ab St. Stephan, von 1980 bis zur Ausmusterung 1994 den Hawker Hunter. Der Hunterverein Obersimmental betreibt in St. Stephan den Papyrus-Hunter, welcher seinen Namen und seinen Anstrich aufgrund des Staffelemblems der Fliegerstaffel 15 erhalten hat, einem Papierflieger!