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Flugtage Ramstein

Leider wurde der Name Ramstein zum Symbol einer grossen Tragödie, nämlich dem Flugtagunglück vom 28. August 1988. Für mich persönlich bleiben aber alle Besuche in der Pfalz in bleibender Erinnerung, und zwar weniger wegen des Unfalls, sondern vor allem wegen der aviatischen Erlebnisse.

Als Teenager begann ich regelmässig die Flug Revue zu lesen. In diesem Fachmagazin wurde in schöner Regelmässigkeit über den NATO-Flugtag in der Pfalz berichtet. Die amerikanische Basis befand und befindet sich immer noch in der Nähe von Kaiserslautern im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz.

Flugtag am 13. Juli 1980

Nachdem ich meinen Vater immer wieder bedrängte, gab er im Jahre 1980 entnervt nach und wir machten uns ohne grossen Plan auf in den «grossen Kanton». Nach einer abenteuerlichen samstagabendlichen Zimmersuche in Kaiserslautern und einer unruhigen Nacht, verursacht durch Lärm grosser Transportmaschinen, ging es am Sonntag, 13. Juli 1980 so richtig los. Bei der Anfahrt war schon zu erahnen, welche Menschenmassen dieser fliegerische Anlass der Superlative anziehen würde. Das Static Display war gross und weit. Was da so alles zu sehen war! Aus Dänemark kam eine North American F-100 Super Sabre, aus England eine Blackburn Buccaneer, F-4 Phantoms bis zum Abwinken, dazu die grossen Transportmaschinen C-5 Galaxy und C-141 Starlifter. Ein wahres Schlaraffenland für den Flugbegeisterten!

So richtig spannend wurde es dann im Flying Display. In Ramstein war damals der 86th Tactical Fighter Wing stationiert, ausgerüstet mit F-4 Phantoms. Wie es sich gehört, eröffneten die Hausherren die Party, und zwar mit dem Start von vier Phantoms! Dieser Start war wohl mein Initiationsritus in die Welt der Airshows. Das Vibrieren und Donnern ging durch Mark und Bein, bevor die mächtigen Maschinen in die Luft stiegen und mit durch die Triebwerke verursachten Rauchfahnen ihre Bahnen zogen. Danach folgte eine Vorführung, an die ich auch heute noch oft denke. Das Canadian Starfighter Demonstration Team, auch als «Tigers» bekannt, zeigte auf fünf Starfightern Jetkunstflug der besonderen Art. Die Steigleistung und vor allem die ganz tiefen Überflüge mit grosser Geschwindigkeit versetzten das Publikum in ungläubiges Staunen. Die italienischen Frecce Tricolori flogen 1980 noch auf der «Gina», also der Fiat G-91, und mir ist noch in Erinnerung, wie ich dem Solopiloten der Frecce fast in die Augen schauen konnte beim tiefen Rückenflug. Damals waren die Einschränkungen für die Piloten noch nicht so gross.

Flugtag am 7. August 1983

Nachdem 1981 wegen einer Bombendrohung der Flugtag nicht durchgeführt wurde und ich 1982 keine Zeit fand, war es im August 1983 wieder so weit. Beeindruckend war wie üblich das Static Display, welches weitläufig und sehr umfangreich war. In der Luft waren die Patrouille de France und die Red Arrows die absoluten Höhepunkte. Obwohl nur zu viert waren auch die Österreicher mit der Kunstflugstaffel Karo As gut vertreten. Wenn man das Bild des tiefen Vorbeifluges des Karo As Solisten anschaut, realisiert man erst, wie tief damals noch geflogen wurde. Wenn ich mich recht entsinne, nannte der Speaker dies die Bierflaschenhöhe. Wohl nicht ganz zu Unrecht.

Flugtag am 24. Juni 1984

Auch in den goldenen achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts war der Besuch eines amerikanischen Kunstflugteams auf dem europäischen Kontinent etwas Aussergewöhnliches. Neben den Thunderbirds zeigten auch die Red Arrows und die Patrouille de France ihr Können. Bei den Jetdisplays stach die Vorführung der F-15 Eagle ganz klar alle anderen Kandidaten aus. Gleich nach dem Start in einen neunzig Grad Steigflug. Sogleich wird die Maschine in den horizontalen Rückenflug gerissen und beschreibt dabei mehr eine Ecke als eine Kurve in den Himmel. Wer, wie ich, die Schweizer Jets Mirage und Hunter gewohnt war, der war tief beeindruckt von der Wendigkeit und der Kraft der F-15. Obwohl ein mächtiges Flugzeug, besass diese Maschine schon damals zwei Triebwerke mit je 10'000 kp Standschub. Im Static Display waren die F-111 von General Dynamics das Highlight für mich.

Flugtag am 23. Juni 1985

Zwei Tornados fanden sich im Flying Display, dazu die Frecce Tricolori und die Red Arrows. Ein weiteres Mal waren auch die Vikings auf F-104 in der Luft zu sehen. Im Static Display stach vor allem die English Electric Lightning FGR-2 der Royal Air Force ins Auge.

Flugtag am 18. August 1986

Erstmals eröffneten der 86th Tactical Fighter Wing die Show nicht mehr mit der F-4 Phantom, sondern mit der F-16 Fighting Falcon. Besonders in Erinnerung ist die Vorführung der McDonnell Douglas F-15C der USAFE geblieben, aber auch der Vorbeiflug der zwei F-104G des Marinefliegergeschwaders mit dem offiziellen Namen Viking. Die Viererformation von F-4F Phantoms der Deutschen Luftwaffe war ebenfalls bemerkenswert. Schnittig, präzis und mit guter Choreografie waren natürlich die Red Arrows wie immer einer der Höhepunkte der Airshow.

Flugtag vom 2. August 1987

Die Veranstalter hatten ein gutes Programm geplant, mit der Patrouille de France und den Red Arrows. Allerdings machte das Wetter den Organisatoren einen dicken Strich durch die Rechnung. Wenn ich mich richtig entsinne, verliess ich den Flugplatz bereits vorzeitig, da die Vorführungen immer wieder unterbrochen werden mussten. Die einzige Erinnerung an diesen Anlass ist der tiefe Überflug von ein paar Boeing B-52 Stratofortress.

Flugtag vom 28. August 1988

Der letzte Flugtag in Ramstein. Die Frecce Tricolori traten im Flying Display zum Schluss auf, als Höhenpunkt der Veranstaltung. Vorher flogen die verschiedensten Muster, unter anderem auch eine Grossformation von Tornados aus Nörvenich. Der Unfall führte zu einer Zäsur, was die Sicherheitsvorschriften bei Flugtagen anbelangt.